Reisetagebuch 2023 - 2. Woche
15. August 2023
Tag 8 - stürmisches Bulgarien
Strecke: ~220 km
von Trakata (Warna) nach Zarewo
von Trakata (Warna) nach Zarewo
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-5ayNJJACaW
Bulgarien: Trakata (Warna) - Banya - Burgas - Zarewo
Heute bin ich deutlich weniger gefahren, dafür die etwa ersten 100 km nicht allein. Die Strecke war leider sehr stark befahren, kein Wunder in der Hauptsaison, aber es waren schon schöne und kurvige Abschnitte dabei. Der Jakob aus Norwegen (oder Niederlande, bin nicht mehr sicher) hat in der selben Unterkunft geschlafen und ebenfalls Istanbul als Ziel. Kurz nach Burgas haben wir noch einen Kaffee getrunken und sind dann getrennt weiter. In Kiten bin ich an den Strand gefahren, weil ich mich trotz des starkes Windes kurz ins Wasser wollte, aber mir war dann zu viel los. Später hab ich noch einen schönen Strandabschnitt gefunden, der aufgrund der aufgrund des Wellengangs nicht geeignet war um rein zu gehen, aber ein paar Fotos sind dennoch entstanden. In einem Bungalow-Dorf hab ich noch ein Bett zum Schlafen gefunden, weil ich wetterbedingt dann doch nicht draußen übernachten wollte.
Stürmisch und grau ist heute nicht nur das Wetter
Günther, ich weiß, klug war das gestern wirklich nicht, bitte sei nicht böse oder noch schlimmer, sei nicht allzu sehr enttäuscht 🙁
Begonnen hat ja gestern Abend alles noch ganz harmlos, bis auf die Route zur Unterkunft, die ich mit Maps gefahren bin, und nach schrecklich schlechter Straße dann auch noch bei einer Treppe nicht mehr weiterkam. Aber hier beim Umdrehen hab ich ersten Kontakt zu weiteren Gästen in der Unterkunft bekommen, und der war sehr nett. Nach einer Dusche habe ich mich mit meinen Geräten in den Gastgarten gesetzt um an dieser Seite weiterzuarbeiten. Ging soweit auch ganz gut, und es war recht unterhaltsam, dem bunten Treiben der anderen Gäste zuzusehen. Deren Spiele waren echt heftig, so wurde beispielsweise eine Person an die Wand gekettet, die anderen versuchten in 2 Teams einen Tischtennisball in Becher zu werfen, Die Regeln hab ich nicht erkannt, aber die angekette Person wurde immer wieder mit kaltem Wasser begossen, bespritzt, abgespült, aus Küblen, Spritzpistolen, Gartenschlauch und allem Anderen was da war.
Irgendwann setzte sich der Beitzer des Gästehauses zu mir, und wir plauderten ein wenig. So erzählte er, dass die Geschäftsführerin aus den USA ist, heute abreist, und deswegen ihr Abschied gefeiert wird. Die Gäste wurden langsam weniger, die anderen rückten zusammen, und irgendwie und irgendwann war ich mittendrin. Ich fand es sooo toll, diese bunte Mischung aus Menschen aus aller herren Länder. Der Franzose, der ohne T-Shirt aber mit "Kriegsbemalung" am ganzen Oberkörper herumlief, die ihm die Tochter der Chefin verpasst hat - inklusive BH. Die Kellnerin aus Australien mit ihrer eigenartigen Pfeife, wie ich noch nie eine gesehen habe. Die beiden Deutschen, einer aus Kiel und einer aus Dresden, die richtig gut englisch gesprochen haben. Mein Sitznachbar aus Schweden oder Norwegen, der von der Tochter der Chefin belagert wurde und ihre Spielchen alle geduldig ertragen und mitgemacht hat.2Zwei Ungarn, eine Bulgarin, ja und der Kellner aus Kolumbien war auch noch da. Nicht zu vergessen der Italiener, der sich einen Joint nach dem anderen gedreht hat, diese immer mit der Gruppe geteilt und herumgereicht hat. Anfangs war ich noch sehr streng mit mir, wollte ich doch zeitig in der Früh aufbrechen, aber irgendwann hab ich dann ein erstes Bier getrunken, und dabei ist es natürlich nicht geblieben, wenn man bis 5:00 morgens sitzt.... Es hat mir einerseits so unglaublich gut getan, andererseits hat es mich unglaublich betrübt, hier zu sein und leben zu müssen, während Günther am Friedhof begraben liegt. Aber er war doch selbst so ein geselliger und lustiger Mensch, und ich versuche ja die ganze Zeit schon Dinge zu tun, die auch er getan hat. Ich trage die Kleidung, die er getragen hat und mache Dinge, die er getan hat. Ich fahre zum Beispiel Motorrad, weil ich mich ihm dadurch näher fühle, weil er es auch geliebt hat, ich koche und esse, verwende Calimoto, obwohl ich es nicht wirklich mag, oder tinke wie gestern manchmal Bier, rauche.... Ich suche seine Nähe auf wissentlich verrückte Weise, und egal wie sehr ich nachdenke, mir fällt nichts Vernünftiges ein, wie denn auch - er ist nunmal tot. Nein, mir ist nicht kalt, wenn ich zusammengekauert dasitze, ich glaube, da versuche ich nur, mich selbst zusammenzuhalten, weil ich manchmal das Gefühl habe daran zu zerbrechen.
Dann möchte ich manchmal auch gern schreien, so wie heute bei diesem Strand, sitzend auf einem Felsen breche ich in Tränen aus, ich möchte schreien, ich versuche es, aber ich kann nicht. Ich hab keine Luft und auch keine Kraft, es kommt nichts raus, der Schmerz und die Trauer wollen nicht hinausgeschrien werden, obwohl der perfekte Platz, die perfekte Zeit und sowieso immer der beste Tag dafür wäre. So nehme ich meinen Kummer wieder mit, nur wenig konnte ich an den Wind und die Wellen abgeben. Vielleicht habe ich mich einfach übernommen und hätte nicht mit Jakob fahren sollen. Da hat es nämlich richtig begonnen wieder so bewusst zu werden, dass es nie wieder so sein wird wie es früher war. Der Typ vor mir fährt kacke - natürlich tut er das nicht, aber er fährt halt nicht wie Günther, keine Linie, und langsam, und weit nicht so entspannt und locker-lässig mit Günthers Leichtigkeit. Ich kann das nicht, er fehlt mir so sehr, und so fahre ich nach einem Kaffee wieder alleine weiter, und es fühlt sich besser an.
Ich reflektiere während der Fahrt und in den Pausen die gestrige Nacht und meinen Plan morgen nach Istanbul zu fahren. Vielleicht ist Angst Teil meiner Gefühle, gemischt mit Vorfreude, denn irgendwie fühlt es sich an, als würde ich mich dort bei der großen Brücke mit Günther treffen, und womöglich muss ich mich ein weiteres Mal verabschieden, möglicherweise end. Das klingt alles so blöd, schon in meinen Gedanke weiß ich, dass es dumm ist, und niedergeschrieben klingt alles gleich noch viel vrrückter. Ebenfalls nicht ganz normal wohl dieses komische Gefühl seit 2-3 Tagen, als würde mir Günther sagen wollen, dass er gern bei mir wäre, aber er sich in dieser neuen Dimension noch nicht wirklich zurechtfindet, noch viel lernen muss und unglaublich müde ist. Müde von seinem Leben und den Kämpfen, die er ausgetragen hat, und müde von seiner Krankheit, wie auch vom Übergang und dem Lernen. Werde ich verrück, oder spielen einfach mal nur wieder meine Hormone und Synapsen verrückt, und morgen ist alles wieder gut? Wieder gut....nein, wird es nicht! Es wird nicht wieder. Möglicherweise, wenn man anderen trauernden Menschen glauben schenkt, dann wird es vielleicht gut, aber es wird nicht wieder, weil diese Zeit mit Günther vorbei ist, und zwar so endgültig wie der Tod selbst.
Ich muss mich sammeln, zur Vernunft kommen, meinen Fokus bewusst da hinlenken, wo ich hin will, und das ist erstmal Istanbul. Ich plane die Route zur gebuchten Unterkunft, und zwar wie immer mit Maps statt Calimoto. Letzteres verwende ich zur Aufzeichnung der Touren, mehr bekomme ich meiner Geduld und dem derzeitigen Nervenkostüm nicht hin. Jetzt füge ich dann noch ein paar Fotos ein, und bin dankbar für diesen 8. Tag dieser Reise. Ich freue mich gespannt auf morgen, zuversichtlich, dass mit meinen Beschützern alles gut gehen wird.
Günther, morgen geht's mit der Kleinen in die große Stadt, und übermorgen sollst du den Bosporus 🇹🇷 mit mir sehen!! Ich freue mich darauf!
Ich lieben dich! ❤️🖤
16. August 2023
Tag 9 - Istanbul
Strecke: 316 km
von Zarewo nach Istanbul
von Zarewo nach Istanbul
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-7ng90DDgQR
Bulgarien: Zarewo - Strandscha Landschaftspark - Tarnovo
Türkei: Dereköy Sınır Kapısı - Dereköy Sınır Kapısı - Pınarhisar - Saray - Çatalca - Büyükçekmece - Istanbul
Die erste Etappe bis zur türkischen Grenze waren heute wunderschön zu fahren. Kurvig, kühl, grün und ruhig. Verkehr gab es quasi keinen, dafür war die Straße sehr holprig, aber das kenne ich ja schon. Nach der Grenze waren die Straßen zu meinem Erstaunen extrem gut ausgebaut, und wo sie noch nicht so toll waren, wurde in der Nähe schon daran gearbeitet eine neue Straße zu bauen. Kurven gab es kaum, und wenn doch, dann waren sie rutschig.
In Istanbul ist richtig was los, viel Verkehr und Staus, dabei bin ich nicht mal richtig rein gefahren, sonder mehr außen herum.
Überraschen finde ich, dass ich laut Calimoto etwa 3150 Höhenmeter rauf und auch wieder runter gefahren bin.
Den Weg durch die Schlaglöcher finden
Günther, das hätte dir heute gefallen, besonders der erste Abschnitt der Strecke.
Ich bin heute nach dem Frühstück wieder zeitig gestartet, um nicht recht spät in Istanbul anzukommen. Der Tag hat mit vielen Kurven begonnen, und es hat Spaß gemacht die Route 99 zu fahren. Leider war die Straße sehr schlecht, holprig und mit vielen Schlaglöchern. Da ich heute in besserer Stimmung bin, viel besser als gestern, hat mir das aber relativ wenig ausgemacht. Immer besser konnte ich meinen Fokus auf die Wege zwischen den Hindernissen richten, und so gelang es mir recht gut durchzukommen. Ich dachte eigentlich, ich würde eh schon recht gut von den Hindernissen wegsehen, weil man ja bekanntlich da hinfährt, wo man hinsieht. Dem war offenbar nicht so, denn als ich mich wirklich ganz bewusst darauf konzentriert habe, einen Weg zu suchen, bin ich den auch viel leichter gefahren, und die Löcher sind mir immer weniger ins Auge und in die Knochen gefahren. Ich habe mich während der Fahrt dann auch gefragt, ob ich es im Leben ebenso mache, ich meine, immer nur Hindernisse zu sehen oder mögliche Hindernisse. Fahre ich deswegen von einem Problem in das Nächste hinein? Die Theorie der selbsterfüllenden Prophezeihung würde das bestätigen, und die Lösung damit naheliegend und offenbar ganz einfach. Theoretisch! Wenn ich mir mein Leben die letzten zwei Jahre ansehe, dann dann habe ich meinen Weg wohl ganz verloren, sofern ich einen hatte, weil ich war nur damit beschäftigt zu überleben und irgendwie durchzukommen. Noch blöder an der Sache ist, dass ich nicht mal sagen könnte, wo und wie ich momentan meine Lage sehe. Liege ich irgendwo in einer dreckigen Pfütze, stehe ich vor einem Abgrund, oder bin ich schon gefallen? Andererseits, spielt das überhaupt eine Rolle? Muss ich immer ein Bild dazu haben oder eines keieren? Ich muss weiter, das steht außer Frage. Weiter an den Bosporus und weiter auch im Leben. Auf dieser Reise weiß ich zumindest ungefähr wo es langgeht, im Leben habe ich momentan keinen Schimmer. Ich werde im September einfach an die FH zurückgehen und darauf hoffen, dass sich der Nebel lichtet und ich wieder besser nach vorne sehen kann. Wenn es dann soweit ist, werde ich mich so gut ich kann drauf zu konzentrieren, die Schlaglöcher zu ignorieren, damit ich nicht mehr auf sie zusteuere. Geraten sie aus dem Blickfeld, so verlieren sie ganz viel an Macht, das habe ich heute auf der Straße "gelernt". Natürlich wird man da und dort trotzdem mal gebeutelt, weil man nicht immer alles kommen sieht, aber damit muss man sich nicht lang aufhalten.
Einen Ausrutscher hatte ich heute beinahe auch, das war aber dann schon in der Türkei auf halber Strecke zu Istanbul. Ich bin noch nie so gerutscht in einer Kurve, hatte mich eigentlich noch gefreut, etwas Schräglage zu bekommen, weil mein Reifen langsam eckig wird. Wie ich es geschafft habe diesen Sturz zu verhindern, kann ich gar nicht wirklich sagen. Aber ich habe mich nicht verkrampft, hab mich nicht ans Bike geklammert, und als die Gefahr gebannt war, habe ich mich nicht mal geärgert über meine "Blödheit", gar nicht, ich hab mich sogar gefreut, dass ich offenbar richtig reagiert habe und alles gut war. So fühlt sich ein Fehler gar nicht mehr so schlimm an, und ich muss noch viel üben, um zu mir selbst nicht immer so extrem streng zu sein, während ich anderen Menschen gegenüber viel mehr Verständnis und Geduld entgegenbringen kann.
Istanbul ist toll!! Ich liebe es schon jetzt, obwohl der Verkehr schon eine Herausforderung ist. Eigentlich hätte ich noch eine Pause einlegen wollen, bevor es in die Stadt rein geht, aber das habe ich irgendwie übersehen. Plötzlich war ich schon mittendrin, auf einer von 3 Fahrspuren, rechts davon noch mal zwei, zu der es aber eine betonierte Trennung gibt. Links 2 Fahrspuren für Busse, geschützt und gesperrt durch Zäune, und dann erst die Gegenfahrbahnen. Mit all dem Gepäck, indbesondere mit den breiten Koffern, kann oder traue ich mich nicht wirklich durch den Stau zu fahren, wie ich das gerne würde. Es ist auch extrem heiß, der Lüfter des Motorrades läuft ständig und bläst zusätzlich heiße Luft auf meine Beine. Bei einer Teilung der Fahrspuren bin ich leider falsch gefahren, was mir eine zusätzliche halbe Stunde Training im Stadtverkehr beschert hat. Aber schlussendlich bin ich heil und erleichtert an der Unterkunft angekommen, und schon ein wenig froh, dass alles so gut gelaufen ist.
Nach einer Dusche bin ich mal ein wenig herumspaziert und habe in einem gemütlichen Lokal ein lecker Abendessen bekommen, das ich auch wirklich gebraucht habe, weil ich riesen Hunger hatte. Danach noch zur Hagia Sofia, durch einen Basar und zur Sultan-Ahmed-Moschee. Ich liebe dieses Flair hier, das Treiben hier am Abend, die Stimmung und die freundlichen Menschen. Fast so wie in Wien... 🤪. Nein, im Ernst, ich fühle mich hier echt wohl, zumindest bis jetzt, und ich denke, das bleibt auch so. Morgen dann ohne Gepäck querfeldein/querstadtein, Frühstück gibt es ab 8:00, danach möchte ich gleich los, hab ja schon Pläne und das Hauptziel Bosporus.
Günther, heute hättest du womöglich Freude mit mir gehabt, vielleicht wärst du sogar ein wenig stolz gewesen. Morgen geht's dann auf zum Bosporus 🇹🇷, so wie wir es geplant hatten, oder eingtlich ja doch ganz anders als geplant!😢🖤! Ich freue mich dennoch darauf, weil wir unser Ziel gemeinsam erreichen, weil ich dich bei mir habe, tief in meinem Herzen - Ich lieben dich! ❤️🖤
Abfahrt
Route 99
Pferde auf der Route 99
Türkei - erster Eindruck super
Istanbul
Sultan-Ahmed-Moschee
Hagia Sofia
Sultan-Ahmed-Moschee
Sultan-Ahmed-Moschee.
Arasta Bazaar
17. August 2023
Tag 10 - Istanbul - Bosporus
Strecke: 136,9 km
Bosporus rauf, runter, drüber und durch
Bosporus rauf, runter, drüber und durch
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-XFKEqMzGv1
Türkei: Istanbul - Bosporus
Viele Kilometer waren es nicht, anstrengen war es dennoch. Ich bin über die "Brücke der märtyrer des 15. julis" gefahren, dann ganz hoch zum Schwarzen Meer, zurück aufgrund der Autobahn dann doch wieder auf der asiatischen Seite und durch den Eurasia Tunnel wieder zurück zum euopäschen Teil Istanbuls. Das mit der Maut ist hier ja gar nicht so einfach, weil bar oder Kreditkartenzahlung gibt es nicht, dafür 2 verschiedene Systeme zur Auswahl.
Ich bin mehrere Hügel rauf und runter gefahren, besonders schön fand ich den Çamlıca Hill, von wo aus man eine tolle Aussicht hat. Aber selbst hier kann man die Dimensionen dieser unglaublichen Stadt nur erahnen, Stastviertel und Viertel aneinandergereit, Skylines und Wolkenkratzer wo man hinsieht. Im Norden ist es generell hügeliger, so richtig fahren traue ich mich nicht, weil mir die Straßen extrem rutschig erscheinen. Bis nach Riva bin ich gefahren, dann habe ich mich nach einem Kaffee auf den Rückweg gemacht, um wieder in extrem starken Verkehr zu landen, der sich aber ohne die Koffer gleich viel leichter bewältigen lässt. Das Hupen muss ich noch lernen, sonst komme ich ganz gut klar, so lange mich Maps nicht im Stich lässt.
Aja, und zum Frühstück gab es schon Pommes, die ich eigentlich nicht mehr essen konnte und auch nicht wollte. Alle, die Günther und mich kannten, wussten um unser "Spiel" und verstehen deshalb auch warum, aber das erzähle ich vielleicht später mal.
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bosporus
"Der Bosporus (altgriechisch Βόσπορος ‚Rinderfurt‘, von altgriechisch βοῦς bûs ‚Rind, Ochse‘ und altgriechisch πόρος póros ‚Weg, Furt‘; türkisch Boğaz ‚die Meerenge‘, İstanbul Boğazı für ‚die Istanbul-Meerenge‘ bzw. Karadeniz Boğazı für ‚Meerenge des Schwarzen Meeres‘; veraltet ‚Straße von Konstantinopel‘) ist eine Meerenge zwischen Europa und Asien, die das Schwarze Meer (in der Antike: Pontos Euxeinos) mit dem Marmarameer (in der Antike: Propontis) verbindet; daher stellt er einen Abschnitt der südlichen innereurasischen Grenze dar. Auf seinen beiden Seiten befindet sich die Stadt Istanbul, deren Geografie er maßgeblich prägt. Der Bosporus hat eine Länge von ca. 30 Kilometern und eine Breite von 700 bis 2500 Metern. In der Mitte variiert die Tiefe zwischen 36 und 124 Metern (bei Bebek). Innerhalb des Bosporus liegt auf der westlichen Seite das Goldene Horn, eine langgezogene Bucht und ein seit langem genutzter natürlicher Hafen."
Suchen und finden - oder auch nicht
Günther, du fehlst soo sehr....
Ich weiß selbst nicht, was ich denn erwartet habe, aber Verbindung oder Nähe habe ich nicht gefunden, dafür die Sehnsucht und die schmerzliche Erkenntnis, dass es eben so ist, wie es ist. Da kann ich mich noch so in Träumereien und Fantasien flüchten, aus ist aus...und aus.
Ich saß heute relativ lang an der "Straße von Konstantinopel", hab Fischer beobachtet, Fotos gemacht und war in Gedanken bei Günther, der mir heute besonders fehlt. Auch jetzt und hier, in einem gemütlichen Lokal neben dem Arasta-Basar, bei angenehmen Temperaturen, Live-Musik und satt nach einem lecker Abendessen. Ich liebe dieses Flair hier, und immer besser kann ich es genießen, wohl auch deshalb, weil es bald ein Ende hat, morgen fahre ich weiter nach Griechenland, Alexandropolis ist jetzt mal Ziel geplant, ob es so bleibt, weiß ich noch nicht. Zumindest sollte das Problem mit dem Internet nicht mehr bestehen, das ist hier nämlich katastrophal, und WLAN bekommt man selten, und dann nur nach expliziten Bitten. Nur hier im Mesale Cafe machen sie nicht so ein Thema daraus und haben das Passwort auch am Tisch.
Damit der Abend gemütlich ausklingen, und ich von vermissen auf das angenehmere danken umschalten kann, mach ich hier auch Schluss für heute.
Günther, es hätte dir sicherlich gefallen, und in Gedanken warst du natürlich immer und überall mit dabei, heute sowieso ganz besonders! Du fehlst - ich lieben dich! ❤️🖤
Blick auf Istanbul
Blick auf Istanbul
Blick auf Istanbul
Blick auf Istanbul
Pause am Weg zum Schwarzen Meer
Fatih Sultan Mehmet Bridge, unter der ich durchgefahren bin
Beylerbeyi Hasip Paşa Yalısı und Brücke der Märtyrer des 15. Julis
Yavuz-Sultan-Selim-Brücke mit Containerschiff
Strand in Riva mit Blick auf Bosporus und Schwarzes Meer
Riva Kalesi
Liveband mal anders beim Abendessen
meine hübsche Nelly vorm Hotel 🥰
18. August 2023
Tag 11 - Istanbul - Griechenland
19. August 2023
Tag 12 - Griechenland
Strecke: ~175 km (rekonstruiert)
Der Küste Griechenlands entlang
Der Küste Griechenlands entlang
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/r-FwPC3TbYQG
Türkei: Höhle des Zyklopen - Mesogius Beach (südlich von Kavala)
Viele Kilometer waren es auch heute nicht, bei den Temperaturen ist mir aber nicht nach mehr zumute. Gestartet bin ich in der Nähe der Höhle des Zyklopen, und habe den ersten Badestopp eingelegt. Traumhaft war es hier, nicht überfüllt, richtig kitschig. Der erste Strand war auch bedeutend schöner als der Zweite, aber da hab ich es ja nicht länger aushalten können... Ich bin auch ein wenig enttäuscht, wieviel Müll in dieser Gegend herum liegt, aber um eine Alternative zu suchen ist mir zu spät.
Zur Strecke selbst brauch ich nicht viel sagen, viele sehr gerade Abschnitte, aber auch sehr schöne Landschaften entlang der Küste, und wirklich sehr schöne Strände.
Die Gelsen tun ihr Bestes, darum mach ich erst morgen weiter ;-)
Paradies
Günther, es wäre ein Paradies auf Erden, so wie wir schon mehrmals das Glück hatten, traumhafte Gegegenden zu entdecken....
Es scheint, als wäre ich im Paradies! Schier endlos weißer Sandstrand, nur wenige Leute, die Sonne brennt heiß, nur der Wind macht sie überhaupt erträglich. Das Wasser wunderbar, und dennoch. Ich habe keine Lust mich überhaupt auszuziehen, wo ich doch sonst die Erste bin, die so eine Chance ergreift und sofort im Wasser ist. Ich sitzte lange auf einer Bank und starre hinaus aufs Wasser, ich fühle mich müde, erschöpft, aber in der Hauptsache niedergeschlagen. Ich zwinge mich, jetzt einfach wieder kleine Schritte zu machen und darauf zu hoffen, dass ich weiterkomme. Erstens, ins Wasser gehen, zweitens Laptop starten und von der Seele schreiben was war oder ist.
Ok, dann mach ich das, und jetzt weiß ich, was mich so gebremst hat. Es fühlt sich nicht nach Paradies an, ganz und gar nicht, im Gegenteil, es ist die Hölle. Ich zwinge mich weiterzugehen, drehe mich um, wohl wissend, dass da nur ein einziges Motorrad steht und auch wissend, dass da kein Günther mehr sitzt und wie sonst auf mich wartet, wenn auch schlafend, aber immer da. Ich bin froh, dass noch so wenige Menschen da sind, denn ich heule, ich gehe weiter, rein ins Wasser und heule, immer weiter. Der Schmerz, er lässt nicht nach, er übermannt mich. Ich tauche ein, um auch meinen Kopf abzukühlen, dann einfach wieder raus - Soll erfüllt. Ich hab mir selbst keine Vorgabe für die Zeit gegeben, und deswegen gehe ich lieber zur Dusche. Zum ersten Mal auf dieser Reise gebe ich in Google Maps als Ziel Zuhause ein, um zu sehen, wie weit ich weg bin, dann setze ich mich zu diesen Zeilen, denn wenn die geschrieben sind, werde ich versuchen zur Ruhe zu kommen und mich hier auf die Bank legen. Vielleicht kann ich sogar ein wenig schlafen, aber bei dem Wind denke ich das kaum. Aber ein wenig rasten geht allemal, und vielleicht, oder hoffentlich, finde ich danach weitere Schritte aus dieser paradiesischen Hölle.
Günther, Du fehlst mir so unbeschreiblich, es ist einfach nur grausam - ich lieben dich! ❤️🖤
paradiesische Hölle oder höllisches Paradies?
wunderbare Weiten...
...und schöne Straßen ;-)
kurzes Fotoshooting
Strand und Schlafplatz
20. August 2023
Tag 13 - Griechenland - Nordmazedonien
Strecke: ~ 350 km
endlich mal wieder Kurven
endlich mal wieder Kurven
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/r-yo0OMgjxME
Griechenland: Mesogius Beach - Thessaloniki - Edessa
Nordmazedonien: Medzhilija - Resen - Ohrid - Struga
Gestartet bin ich heute schon sehr früh, ich wollte relativ rasch in der Unterkunft in Struga sein, weil es dort eine Waschmaschine gibt, die ich dringend brauche. Gestartet am Mesogius Beach, wo ich den tollen Sonnenaufgang erleben durfte. Thessaloniki hab ich nur gestreift, obwohl die Stadt prinzipiell schon gern gesehen hätte, aber die Stimmung nicht danach war. Richtung Edessa wurde es dann erstmals wieder etwas kurviger, grüner, frischere Luft, weil ich doch ganz in die Höhe gekommen bin, und völlig erstaunt über dieses völlig andere griechische Landschaftsbild bin. Leider hat mir Calimoto auch heute wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Aufzeichnung immer wieder abgebrochen. Irgendwas ist da verstellt, und Günther könnte mir sicher auf Anhieb sagen, was ich da falsch gemacht habe. Nach der Grenze bei Medzhilija war es wieder erstaunlich zu sehen, wie sie sofort der Fahrstil verändert, denn hier sind die Fahrer viel näher an der Höchstgeschwindigkeit, nur wenige sind drüber. Ab Bitola war es angenehm kurvig, nach den letzten Tagen fühlt es an, als müsste ich wieder neu anfangen zu lernen. Zwischen Resen und Ohrid ist es traumhaft zu fahren, könnte mir gern ein wenig schneller gehen, aber ich mach es wie sonst auch, ich häng mich einfach an den nächsten Einheimischen ran, in der Hoffnung, dass der die kontrollierten Stellen kennt. Von Ohrid nahe dem gleichnamigen Ohridsee bis nach Struga, wo ich heute ein Bett habe.
Veränderung
Günther, wie soll es ohne dich Spaß machen, wo du mir doch so sehr fehlst...
Besonders nach dieser Nacht, die ja nicht als wirklich erholsam bezeichnet werden kann. Der Sand steinhart, gegen die Morgenstunden kalt, und irgendwie bekomme ich diesen Geruch nach Müll und Urin nicht aus der Nase. Wahrscheinlich bilde ich mir das eh ein, aber der Müll, der hier hinterlassen wurde und wahrscheinlich immer noch wird, begünstigt halt solche Wahrnehmungen oder eben Wahrnehmungsstörungen.
Der Sonnenaufgang war etwas ganz Besonderes, ist ja nicht so wirklich meine Tageszeit, um die ich sonst aufstehe, und ich bin froh, diesen Strand für die Nacht gewählt zu haben. Ich habe viele Sonnenuntergänge gesehen, aber Aufgänge nur sehr wenige. Diese Symbolik begleitet mich auch den ganzen Vormittag weiter, und ich überlege, was in mich gefahren ist, dass ich nicht in Griechenland bleiben kann. Ich hab mich so drauf gefreut, und jetzt ist es einfach zu schmerzhaft, und schon ab den Morgenstungen fließen die erste Tageshälfte immer wieder die Tränen. Mir wird immer mehr bewusst, dass ich so nicht weitermachen kann, ich muss loslassen, Altes abschließen, mich damit abfinden, dass es einfach nicht mehr so werden kann, wie es war. Ich muss weitermachen, unser gemeinsames Leben ist untergegangen, und ein neuer Tag und ein neuer Abschnitt muss irgendwann beginnen. Theoretisch ganz einfach, aber ich sehe die Sonne noch nicht. Ich bin noch gefangen in der Nacht, in den kalten Morgenstunden, in denen mir schon alles weh tut und ich so friere.
Nächstes Ziel ist Međugorje, das geht sich aber für morgen noch nicht aus, will ja auch Kotor wieder mitnehmen. Ich hoffe, ich kann dort noch ein Stück loslassen, wo wir letztes Jahr noch so voller Hoffnung gewesen sind. Ich möchte, wenn möglich oben übernachten, einfach die Hängematte mitnehmen und den Schlafsack, mal sehen, ob das was wird. Aber ich hoffe wirklich, dass ich es danach schaffe, nach einem weiteren Sonnenaufgang, auch für mich irgendwo wieder ein kleines Licht aufgehen zu sehen, muss ja nicht gleich eine Sonne sein 🙃. Ein kleines Licht der Hoffnung, dass es zwar anders, aber trotzdem irgendwie halbwegs gut werden kann, das wäre schön.
Günther, bist du da irgendwo, oder ist all unser Denken, dass es ein Leben nach dem Tod gibt ein dummer Wunsch? - Ich fühle mich soo leer ohne dich! 🖤
Hier wurde der Gottesdienst mit starken Boxen auch nach draußen übertragen - aber keine Ahnung, welche Religion 🙊
Griechenland mal anders
Ohridsee
ob ich eine Kiwi probieren soll?
21. August 2023
Tag 14 - Nordmazedonien - Albanien - Montenegro - Bosnien und Herzegowina
Strecke: ~ 417 km
Kurven, noch mehr Kurven
und noch viel mehr Hitze
Kurven, noch mehr Kurven
und noch viel mehr Hitze
Link zu Calimoto:
https://calimoto.com/calimotour/t-duvkfrhOt3
Nordmazedonien: Struga - Lukovo - Dzhepishte - Otishani - Debar - Blato
Albanien: Maqellara - Shupenzë - Burrel - lza Regional Nature Park - Lezha - Shkodra -
Montenegro: Viernhof - Dubrava - Bar - Petrovac na moru - Sveti Stefan - Budva - Kotor - Strp - Grahovo - Ilino Brdo
Bosnien und Herzegowina: Klobuk - Župa - Trebinje
Heute bin ich erst spät so gegen 9:00 in Normazedonien in Richtung Norden gestartet. Die R1203 hat nicht nur riesig Spaß gemacht, sie war auch in einem echt guten Zustand und hat mir Landschaften und Bilder gezeigt, dass ich nur noch gestaunt habe. In Debar weiter nach Norden zum Grenzübergang Blato. Bei Maqellara dann westlich in Richtung Shupenzë und der SH6 bis nach Burrel gefolgt. Von dort nordwestlich durch den "Ulza Regional Nature Park", ein Naturparadies, aber die Straßen in einem wirklich desolaten Zustand, und die Hitze macht das Fahren nicht gemütlicher. Die Straße wurde zwar deutlich besser, dafür war der Verkehr bis Lezha sehr dicht und Weiterkommen gab es wieder keines. Deshalb habe da bei einer Pause meine Route vereinacht, wenn auch nur wenig gekürzt, um nicht erst allzuspät in der Unterkunft einzuchecken. Ich nahm den kürzensten/schnellsten Weg nach Shkodra, wo ich noch südlich der Stadt auf die SH41 zur Grenze nach Montenegro abgebogen bin. Kurz nach Viernhof habe ich die E851 verlassen und die ebenfalls schon bekannte Strecke nach Dubrava genommen, weiter nach Bar und der Küste immer weiter entlang bis nach Sveti Stefan und Budva - da leben Erinnerungen auf, sind Günther und ich diese Strecken doch oft rauf und runter gefahren. Die eigentlich geplante P1 mit den tollen Serpentinen und wundervollen Ausblicken konnte ich dann heute wegen meiner misslungenen Zeitplanung nicht fahren, aber nach Kotor bin ich schon, das musste dann doch sein. Ich war aber schockiert vom Verkehr, Günther und ich waren ja meistens zur Vor- oder Nachsaison unterwegs, aber zur Haupsaison würde ich freiwillig nicht mehr herfahren. Enormer Verkehr, und noch dazu völlig unberechenbar. Bin die Bucht dann gegen den Uhrzeigersinn bis kurz nach Strp langgefahren, und dann die wunderbare P11 hoch, kurvig und wunderbar ausgebaut, wo ich auf einem Parkplatz in Erinnerung an Günther eine "Wurstsemmel" gegessen habe. Am Ende der P11 links in die M6 zum Grenzübergang Ilino Brdo nach Bosnien. Von da war es zur Unterkunft in Trebinje nicht mehr weit, und die Landschaft unvergesslich schön.
Ura e Ulzës (MV8M+RR Lundre, Albanien)
der Sonne entgegen in Bosnien
Trebinje