Noch 1 mal Abschied
9. Oktober 2024
Tag 1: Abreise - es geht noch mal los!
Strecke: 519 km
von Sattledt über Slownien nach Senj
von Sattledt über Slownien nach Senj
Österreich: Sattledt - Liezen - Hohentauern - St. Veit an der Glan - Klagenfurt - Loiblpass
Slowenien: Kranj - Ljubljana - Ribnica - Petrina
Kroatien: Fuzine - Novi Vinodolski - Senj
Die Straße war nass und kalt, immerhin haben wir Oktober und es hat die ganze Nacht geregnet. Die Strecke selbst war wunderschön, teilweise aber sehr rutschig, insbesondere durch das nasse Laub auf der Strecke. Ab Novi Vinodolksi war aber dann alles trocken und schön zu fahren - entlang der wunderschönen Küstenstraße.
Abschied - schon wieder
Es ist der 9. - nicht Juni, aber der 9. Oktober, und was mache ich? Setze mir kurzerhand in den Kopf, ich muss noch ein letztes Mal nach Međugorje fahren. Ich weiß nicht so richtig, was ich mir davon erwarte, nein, stimmt nicht, meine Erwartung ist hoch, aber egal was kommt, ich muss hin. Der heutige Tag ist perfekt, heute sind es genau ein Jahr und 4 Monate, dass Günther gehen musste, und ich kann es selbst kaum glauben, wie viel Zeit seither schon vergangen ist. Dennoch ist er allgegenwärtig, immer und überall, und so sehr er mir immer noch fehlt, so ist der Schmerz erträglich geworden - meistens.
Tja, aber warum fahre ich denn wirklich? Ich glaube, das Leben danach hat mich eingeholt. Nein, es hat mich abgeholt, steht quasi vor der Tür mit neuem Job und neuen Perspektiven. Dinge, an die ich gar nicht mehr gedacht und geglaubt habe, und nun ist es fast da. Während der Jobsuche war ich durcheinander, hab mich gestäubt und war verzweifelt. Ich konnte mir eine Zukunft ohne Günther absolut nicht ausmalen, nicht mal daran denken, und wahrscheinlich wollte ich auch nicht. Aber ich musste mich dem stellen, und schlussendlich habe ich mich für einen Job entschieden, den ich am 4. November beginnen werde. Langsam freue ich mich darauf, und dennoch treibt es mir die Tränen in die Augen, weil ich nun allein weitergehen muss, und der Schmerz wird wieder so stark, dass ich alle Vorfreude verliere und einfach wieder in dieser Traurigkeit versinke.
Damit bin ich dann wohl wieder bei meiner stillten Hoffnung für diese Reise. Ich denke, dass ich mich noch ein mal diesem Schmerz und dieser Trauer stellen muss. Mich noch einmal verabschieden von Günther und unserer gemeinsamen Zeit. Er wird im Herzen nie eine Vergangenheit sein, ich werde ihn niemals vergessen und ihm immer dankbar sein. Dennoch muss ich einen Schritt weitergehen und Platz schaffen für Neues, für dieses neue Leben, das da anklopft und mich nicht loslässt. Egal ob ich will oder nicht, ich muss, das bin ich Günther und auch mir selbst schuldig, ich habe lange genug in diesem "Brei von Nichts" gelebt. Ja, ich fahre nach Međugorje, ich nehme Abschied und ich begrüße die Zukunft. Das ist mein Plan oder meine stille Hoffnung, mal sehen, was kommt.
Hohentauern
Kurz nach der Grenze Slowenien-Kroatien
Abendstimmung in Senj
10. Oktober 2024
Tag 2: Anreise Međugorje
Strecke: 436 km
von Senj nach Međugorje
von Senj nach Međugorje
Kroatien: Senj - Stinica - Karlobag - Starigrad - Benkovac - Pakostane - Sibenik - Rogoznica - Split - Baska Voda - Gradac - Bacina - Malo Prolog
Bosnien: Humac - Međugorje
Die traumhafte Küstenstraße hatte ich am Vormittag fast für mich alleine, die Temperatur war angenehm und das Wetter sehr windig, aber trocken und teilweise schön. Ich bin um 7:30 losgefahren, gleich mal tanken und habe bis 11:00 schon mal 220 km geschafft. Ich bin immer entlang der Küste gefahren und bin erst nach Gradac ins Landesinnere nach Bosnien gefahren. Die Landschaft hier ist ein Traum, und es fast mühsam, den Blick auf der Straße zu behalten ;-)
Abschied - noch immer
Der heutige Tag verlief gut, die Sraßen waren toll und trocken, das Fahren hat nach langem doch mal wieder Spaß gemacht. Besonders der Vormittag war ein Traum, ich bin um 7:30 gestartet, es war noch kein Verkehr, und so konnte ich die Magistrale in vollen Zügen genießen. Diese Strecke sind Günther und ich doch relativ oft gemeinsam gefahren, zuletzt im Juni vor 2 Jahren, als wir gemeinsam in Međugorje waren. Damals hatte er nach 7 Monaten Bestrahlungen, Chemo- und Immuntherapie die erste Pause und wir hatten große Hoffnungen, weil vom Krebs und seinen Metastasen fast nichts mehr übrig war. Es war eine tolle Reise damals, doch leider sollte es unsere letzte längere Tour sein.
Heute bin ich also hier auf dieser Strecke, habe unglaubliches Glück mit dem Wetter und denke viel an die vergangene Zeit zurück. Natürlich bleiben die Augen nicht immer trocken, aber dennoch hat es den großteils des Tages richtig Spaß gemacht zu fahren.
Deutlich früher als geplant kam ich im Hotel Sebastian an, habe ein kleines Zimmer mit Balkon, wo ich eine nach der anderen rauchen kann. Morgen höre ich damit auf. Letztes Jahr habe ich nach 9 Jahren hier am Erscheinungsberg wieder damit angefangen. Ich habe mir damals Zigaretten und Bier gekauft, bin trotz aller Warnungen hinaufgegangen und meinte zu Mama und Günther, wenn sie sich auf Etappen umbringen können, dann kann ich das auch. Bei strömenden Regen und Dunkelheit saß ich da oben und hatte keinerlei Hoffnung und von Lebenswillen auch keine Spur. Morgen gehe ich wieder hinauf, und diesmal wird es anders.
Abends bin ich dann noch ins Zentrum gegangen, hab eine kleines Souvenier gekauft für eine Freundin, die ich noch nicht lange kenne, die ich aber sehr lieb gewonnen habe. Außerdem hat sich in meinen Kopf irgendwie die Idee festgesetzt, dass ich für Günther ein riesen Steak essen muss. Eigentlich die totale Schnapsidee, weil ich Vegetarierin bin, aber diese Tage gelten dem Abschied, und warum sich das so in meinen Kopf festgesetzt hat, ist wohl nicht so wichtig. Ich folge auf dieser Reise meinem Herzen und nicht meinem Verstand, und darum gebe ich dem Gefühl nach. Zuerst habe ich mir aber noch die Kirche St. James angesehen, und ich war mal wieder total geflasht von diesem Ort. Hinter der Kirche fand ein Gottesdienst statt, draußen in einem großen Park. Das müssen ein paar Hundert Menschen gewesen sein und ich habe mich abseits dazu gesetzt und wieder geheult. Die Stimmung, das abendliche Licht, die Menschen hier - es ist wie eine andere Welt.
Das Restaurant war dann schnell gefunden, der Name Karlobag erinnert mich an das Gasthaus OK-Karlobag in der gleichnamigen Ortschaft an der kroatischen Küste. Dort haben wir fast immer einen Stop eingelegt, weil es dort richtig gemütlich war und das Essen viel und gut. Jetzt saß ich da, und das Steak war teuer. Günther hätte sich vermutlich auch das Steak vorgenommen, und wie immer dann aus Gründen der Sparsamkeit einen deutlich günstigeren Grillteller bestellt, und so mache ich es nun auch. Ich habe eine riesige Portion bekommen, wir hätten beide mehr als genug damit gehabt, aber ich ziehe es durch und esse fast alles auf. Am Rückweg gönne ich mir sogar noch zwei Kugeln Eis und kam völlig vollgefuttert wieder in der Unterkunft an.
Morgen ist dann Freitag, wie Günthers Sterbetag auch ein Freitag war, und gleichzeitig Mamas Sterbetag. Auch sie ist total präsent in meinen Gedanken, denn auch sie ist viel zu früh gestorben. Ich vermisse die Frau, die sie früher gewesen ist, so mutig, selbstständig, intelligent, stark und humorvoll zugleich. Morgen wird ein starker Tag, aber hoffentlich ein Neubeginn, ich bin gespannt, was mich erwartet.
Senj
Küstenstraße
Kurz vor der Grenze Kroatien-Bosnien
Ein Weg?
Church of Saint James
Gottesdienst
Freitag
Freitag...
Wie oft hab ich diesen einen Freitag erleben müssen, immer und immer wieder. Von meiner Ankunft im Krankenhaus und dieser Anblick, all die Schmerzen, die Krankheit, die meinen Mann zerfressen, und ja, eigentlich aufgefressen hat. Und dennoch hat er nicht aufgegeben, er kämpft noch immer und ich bewundere ihn für diese Stärke, diesen so starken Lebenswillen, den er bis zuletzt in sich getragen hat. Ich war so unglaublich verzweifelt und bin es noch heute, weil ich einfach nichts tun konnte außer zusehen, wie Günther leidet und immer weiter kämpft. Ich konnte zumindest Waschzeug organisieren, weil er ein sehr reinlicher Mensch gewesen ist, und ich ihm all das Blut und den Schmutz wegwaschen wollte. Zu diesem Zeitpunkt war ihm das vielleicht egal, aber ich weiß, dass er sich gewaschen und in frischer Kleidung immer wohlgefühlt hat.
Die Schmerzmittel haben alle versagt, egal wie viel sie ihm gegeben haben, es hat nichts mehr geholfen. Noch am Vormittag hat mich seine Ärztin zu einem Gespräch geben, und niemals im Leben werde ich das vergessen. Sie konnte nichts mehr tun außer ihn zu sedieren, denn so konnte er zumindest schlafen und müsste nicht weiter leiden. Es war die schreckliste Entscheidung, die ich je treffen musste. Es fühlte sich so an, und das tut es auch bis heute, als würde ich meinen geliebten Mann einschläfern lassen. Ich bin meinen/unseren Freunden Julia, Walter und Sandra so unglaublich dankbar, dass sie in diesen Stunden bei uns gewesen sind. Julia war es schließlich, die mir empfohlen hat der Sedierung zuzustimmen, ich solle es als letztes Geschenk sehen, ihn so von seinen Schmerzen zu befreien. Ich weiß bis heute nicht, ob er das alles wusste und auch verstanden hat. Dann dieser letzte Kuss, so voller Schmerz und Liebe, und ich glaube, da hat er gewusst, dass es vorbei war...
Jetzt mache ich mich fertig um auf den Križevac zu gehen und danach auf den Erscheinungsberg...
Mittlerweile ist es 20:00 und ich bin zurück von einem Tag, wie ich wahrscheinlich gar nicht beschreiben kann. Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt, nein, sie wurden bei weitem übertroffen. Dieser Ort ist irgendwie magisch, und ich bin froh und dankbar dafür, dass ich herkommen konnte.
Wie geplant bin ich zuerst in Richtung Križevac, um hier ein drittes mal den Kreuzweg zu gehen. In Gedanken natürlich total bei Günther und unserem gemeinsamen Besuch hier. Ich wollte diesmal bei jeder Station einen kleinen Halt einlegen, aber dazu ist es dann nicht gekommen. Die ersten 2 Stationen bin ich noch stehengeblieben, und die beiden Tafeln mit Jesus und dem Kreuz haben mich total an Günther und seinen Krebs erinnert. Das ausgezehrte Gesicht, diese unglaubliche Last, und trotzdem sind sie weitergegangen. Ich auch, mit gesenktem Kopf und schnell, damit ich schnell oben bin und das hinter mich bringen kann.Tja, war wohl etwas zu schnell, denn am Weg nach oben habe ich mich noch gewundert, wo denn die dritte Tafel endlich bleiben würde. Ich ging weiter und weiter, bis ich schließlich auch schon oben war und feststellen musste, dass ich falsch abgebogen war und quasi den Rückweg gegangen bin. Das hat mich völlig aus der Bahn geworfen, denn sofort war der Gedanke da, dass ich nicht mehr in Richtung Tod, sondern Richtung Leben gehen musste. Ich musste den Kreuzweg diesmal rückwärts gehen, denn auch wenn mit Günther irgendwie auch ein Teil von mir gestorben ist, so musste ich dennoch zurück. Ich bin sonst kein religiöser oder spiritueller Mensch, aber dass das heute so passiert ist, halte ich für keinen Zufall und nicht mal für eine meiner Dummheiten. Das musste so sein, und ich habe mich dem gestellt und bin den Kreuzweg rückwärts gegangen. Manche mögen mich für verrückt halten, ein paar meiner Freunde sind davon sogar überzeugt, aber diese tiefen und für mich realen Gefühle waren so stark, dass ich das zwar nicht Wunder nennen möchte, aber für mich persönlich war es zumindest eine Fügung des Schicksals. Oben habe ich mich verabschiedet, geheult wie lange nicht, und mich für all die Liebe, die gemeinsame Zeit und all die Erfahrungen bedankt. Es war ein wirklich schwerer und steiniger Weg, aber wieder unten angekommen, nachdem ich am Rückweg meine Pausen bei den einzelnen Stationen gemacht habe, war es ein Gefühl der Erleichterung, ich habe so etwas wie Leichtigkeit verspürt, und das kannte ich lange nicht.
Nach einer kurzen Kaffeepause bin ich die 2 km zurück in die Stadt gegangen, um im selben Lokal wie gestern ein Gemüserisotto zu essen. Als nächstes wollte ich ja auf den Erscheinungsberg, um dort mit dem Rauchen aufzuhören, wo ich letztes Jahr nach neun Jahren wieder angefangen habe. Der Zeitpunkt war aber alles andere als ideal, da fand gerade eine kleine Völkerwanderung statt. So ging ich einfach einen markierten Weg weiter in der Hoffnung, dort etwas Ruhe und vielleicht ein Plätzchen für eine gemütliche Pause zu finden. So bin ich dann gegangen und gegangen und immer weiter gegangen. Es hat mich irgendetwas angetrieben, obwohl ich keine Ahnung hatte, wohin der Weg mich führen würde. Ich dachte irgendwie, ich würde es schon bemerken oder quasi fühlen, wenn es Zeit zum Umkehren ist, aber ich musste immer weiter. Aber hier hat mich vermutlich meine unglaubliche Neugier vorangetrieben, und so bin ich nach geschätzen 2 Stunden am Gipfel des Berges gestanden und habe einen Rundumblick genießen dürfen, wie ich lange keinen gesehen habe. Jetzt weiß ich zumindest, dass ich nicht zu schwach für Wanderungen bin und werde mir in Zukunft wieder öfter zumindest kleinere Wandertouren zutrauen! Blöd nur, dass ich kaum noch Wasser dabei hatte, aber es hat ausgereicht. Noch blöder, dass ich am Rückweg an genau dem Platz mit der Marienstatue vorbeigelaufen bin, wo ich ja ursprünglich hin wollte. Was soll's, Wasser gekauft und wieder hoch. Jetzt war es aber dann doch schon etwas beschwerlich, aber wahrscheinlich sollte das auch so sein. Zumindest waren jetzt deutlich weniger Menschen dort, und so habe ich mich an den selben, oder zumindest fast den selben Platz gesetzt, wo ich letztes Jahr zu rauchen begann und für Mama das Bier getrunken habe. Bier gibt es diesmal wegen einer aktuell laufenden Challenge leider nicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Dann habe ich meine letzte Zigarette geraucht, abgedämpft, bin zur Statue, habe Günther, Mama und Oma um Willenskraft und Stärke gebeten, mich bedankt, die Zigaretten samt Feuerzeug abgelegt, mich verabschiedet und bin gegangen. Auf Palatschinken ;-) , ja, das war dann mein Abschluss für heute, abgesehen von den zwei Kugeln Eis hinterher...zu meiner Verteidigung: nach 30.000 Schritten heute hab ich mir das verdient ;-)
Jetzt fühle ich mich zwar immer noch vollgefressen, aber sowas von erleichter, überhaupt jetzt, nachdem ich das alles noch mal Revue passieren ließ und es niedergeschrieben habe. Was alles in mir los war, kann ich mit Worten sowieso nicht beschreiben, aber vielleicht kann dieser Text zumindest einen Eindruck davon vermitteln, falls er irgendwann mal von jemanden gelesen werden sollte. Jedenfalls kann ich jedem nur ans Herz legen diesen Ort hier mal zu besuchen, die Wege selbst aber am besten allein. Es ist traumhaft hier und meiner Meinung nach wirklich magisch.
12. Oktober 2024
Tag 4: Rückreise Međugorje
Strecke: 448 km
von Međugorje nach Senj
von Međugorje nach Senj
Kroatien: Mali Prolog - Bacina - Gradac - Makarska -- Baska Voda - Split - Sibenik - Pakostane - Benkovac - Rovanjska - Karlobag - Senj
Bosnien: Međugorje - Humac
Die Küstenstraße muss ich nicht noch weiter loben - oder doch?! Sie ist halt einfach ein Traum, und ganz besonders toll finde ich es von Zadar kommend ab Rovanjska bis hier nach Senj. Bis jetzt hatte ich da immer wenig Verkehr, die Straße ist fast überall in sehr gutem Zustand, und die Landschaft und die Kurven ein Traum.
Teil 1 der Rückreise
Diesen Weg jetzt gehe ich nicht rückwärts, so wie gestern, dafür fahre ich ihn rückwärts, und das ab der zweiten Hälfte mit voller Freude. Die erste Etappe war auch wunderschön, ich liebe die Landschaft in Bosnien und auch nach der Grenze in Kroatien ist es traumhaft. Ganz anders, wie man sich Kroatien normalerweise vorstellt, viel grüner und lebendiger. Ich fühle mich nach dem gestrigen Tag auch lebendiger, aber mir wird auch bewusst, dass es nicht vorbei im Sinne von weggezaubert ist. Auch heute fühle ich, wahrscheinlich durch die vielen Erinnerungen, wieder eine teilweise sehr tiefe Traurigkeit und dieses Vermissen wird zwischenzeitlich wieder sehr stark. Aber es ist dennoch anders. Es erstickt und erdrückt mich nicht, es ist einfach nur da, und ich lasse es auch da sein. Mir ist bewusst, dass diese Gefühle immer wieder auftauchen werden, und ich auch nichts dagegen tun kann, und auch nichts dagegen tun muss. Sie sind nun Teil dieses neuen Lebens, aber wie gesagt, sie erdrücken und ersticken mich nicht mehr. Zumindest heute nicht, und ich bin fest davon überzeugt, dass dies aufgrund dieser Reise so ist und deswegen auch so bleiben wird.
Der erste Tag ohne Zigaretten lief unerwartet einfach, aber ich war zwischenzeitlich schon etwas genervt von so manch Autofahrer. Ob das mit den "fehlenden" Zigaretten, dem wenigen Schlaf oder es meine allgemeine Ungeduld war, kann ich selbst nicht sagen. Wahrscheinlich mal wieder ein Mix aus alledem ;-)
Woran ich aber unbedingt arbeiten muss, ist die "orale Ersatzbefriedigung" - sprich: Essen...so wie heute darf das keinesfalls weitergehen, aber es waren die letzen 3 Tage allesamt voller Sünden, und ich werde am Montag auf der Waage wahrscheinlich heulen... ;-)
13. Oktober 2024
Tag 5: Heimreise
Strecke: 495 km
von Senj nach Sattledt
von Senj nach Sattledt
Kroatien: Senj - Crikvenica - Gornje Jelenje - Delnice - Brod na Kupi
Slowenien: Petrina - Banja Loka - Ribnica - Ljubljana - Kranj - Podljubelj
Österreich: Loiblpass - Klagenfurt - St. Veit an der Glan - Friesach - Hohentauern - Liezen - Windischgarsten - Sattledt
Morgens um 7:00 die letzten Kilometer der Küste entlang, dann den schnellsten und kürzesten Weg wieder heim auf wunderschönen Straßen, die nur leider teilweise nass waren. Dennoch eine tolle Strecke mit schönen herbstlichen Eindrücken.
Teil 2 der Rückreise - ab nach Hause
Wegen der doch vielen Kilometer und der Sorge um das Wetter, bin ich gleich um 7:00 morgens mit vollem Tank gestartet und habe die letzten Kilometer entlang der Küste genossen. Die Temperaturen waren dann doch etwas frischer als gedacht, so bin ich relativ bald mal stehengeblieben, um das Innenfutter der Hose anzuziehen. Danach ging es gleich mal fast 2 Stunden durch, ist ja gar nicht so schwer, wenn man nicht rauchen muss. Aber die Toilette schreit dann halt trotzdem, außerdem habe ich beschlossen, nach den gefahrenen 200 km gleich noch ein letztes Mal zu tanken. Ich bin auch weiterhin gut unterwegs und habe mit dem Wetter unglaubliches Glück. Erst um Hohentauern erwischt mich ein wenig Nieselregen und auf nasser Fahrbahn ist mein Reifen echt nicht (mehr) vertrauenswürdig. Ich blieb aber bis Liezen trocken, und ich sagte zu mir selbst, wenn ich über den Pyhrn drüber bin, dann habe ich es so gut wie geschafft und von da an ist mir alles egal. Den Pyhrn hinter mir gelassen, noch nicht mal in Spital angekommen, begann es dann tatsächlich zu regnen und hörte auch bis daheim nicht mehr auf. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass es mich erst so spät erwischt hat, der Tag hätte ganz anders laufen können, die gesamte Reise hätte ich viel mehr Pech mit dem Wetter haben können. Hatte ich aber nicht, ich war ein richtiger Glückspilz.
Mittlerweile, wo ich jetzt diese Zeilen schreibe, habe ich das meiste Zeug verräumt, gewaschen, zum Trocknen aufgehängt. Ich war baden, hab den Ofen angeheizt, mir zu essen gemacht und mich in kuschelig warme Kleidung gehüllt. Ich glaube, dass dies hier der letzte Eintrag auf dieser Homepage sein wird, und irgendwie macht mich das ein wenig wehmütig. Dazu kommt, dass ich mich im Moment ehrlich gesagt schon sehr einsam fühle, weil ich hier alleine sitze und niemanden ausführlich und lang und breit alles Erlebte erzählen kann. Das wäre halt schon etwas Anderes als darüber zu schreiben, aber vielleicht sollte ich das Schreiben beibehalten, wenn auch in einem anderen Format.
Es war sehr gut, diese abschließende Reise zu unternehmen, und es war gut, diese Homepage zu erstellen. Es hat mir sehr geholfen bei der Bewältigung meiner Trauer, und vielleicht schaut ab und zu jemand die Fotos von Günther an und denkt dabei liebevoll an ihn. Fotos werde ich vermutlich noch hinzufügen, ansonsten schließe ich dieses Kapitel nun ab, um ein Neues zu beginnen.
Abschließend möchte ich mich noch bei allen bedanken, die mich über dieses Medium begleitet haben, und noch mehr bei jenen, die die letzten 16 Monate für mich da waren, die ein offenes Ohr und Verständnis hatten. Jenen, die meine Tränen ausgehalten haben, und auch denen, die mich zum Lachen gebracht haben. Ohne euch hätte ich diese schlimmste Zeit meines Lebens nicht überstanden und ich werde euch das niemals vergessen. DANKE