Reisetagebuch 2023
8. August 2023
Tag 1: Abreise - es geht los!
Strecke: 424 km
von Sattledt über Slownien nach Koprivnica
von Sattledt über Slownien nach Koprivnica
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-E88FvHAaXH
Sattledt - Liezen - Hohentauern - Judenburg - Gaberl - Köflach - Bad Radkersburg
Slowenien: Murska Sobota - Lendava
Kroatien: Cakovec - Dubrava-Stausee - Koprivnica
Strecke war nicht sehr anspruchsvoll, Gaberl aber landschaftlich richtig schön! Abschnittsweise viel Verkehr, aber gsd hatte ich keine Probleme bezüglich Straßensperren oder anderer Hindernisse - was will man mehr ;-)
Aller Anfang ist schwer
Heute geht es endlich los, wenn auch mit 2 Tagen wetterbedingter Verspätung, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr ;-)
Bevor ich wirklich gestartet bin, war ich doch ziemlich unruhig und bin mal wieder "im Kreis" gelaufen. Unzählige Dinge sind mir noch eingefallen, die ich unbedingt machen musste, bis ich um halb 10 dann das Problem erkannte. Normalerweise drücke ich mich auf diese Art vor den Klausurvorbereitungen, wenn mir das Thema oder Fach nicht besonders gut gefällt, oder vor anderen unliebsamen Aufgaben. Günther hat das immer sofort erkannt, häufig nur geschmunzelt, und mir damit meine Verweigerung aufgezeigt. Wenn ich es gar nicht erkennen wollte oder auch nicht konnte, dann hat er mir schon auch mal Fragen wie: "hast du nicht etwas Wichtigeres zu tun?" gestellt. Naja, ohne seine Hilfe hab ich ein wenig länger gebraucht um mich auf meine Pläne zu fokusieren, und so bin ich dann gegen 10:00 vollgepackt gestartet.
Das Motorrad fährt sich gleich etwas anders mit so viel Gepäck oben drauf, irgendwie hatte ich den Eindruck, das Vorderrad wäre leichter. Wahrscheinlich liegt das aber nur daran, dass ich heuer einfach noch nicht viel gefahren bin. Die letzten 3 Monate fast gar nichts, einfach weil es Günther so schlecht ging, und dann konnte ich nach seinem Tod einfach nicht fahren. Jetzt trete ich diese Reise an, die wir noch zusammen geplant haben, eigentlich schon vor 3 Jahren, wo uns dann Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aber das ist eine andere Geschichte, eine sehr schöne, und vielleicht stell ich auch noch Fotos von dieser Reise hier auf seine/unsere Seite.
Alles in Allem bin ich froh, dass ich ohne Probleme halbwegs gut vorangekommen bin, wenn auch nicht ganz ohne Tränen. Klingt wahrscheinlich blöd, aber ich habe mich Günther heute näher gefühlt, vielleicht einfach deshalb, weil ich gedanklich intensiv bei ihm gewesen bin. Seine Anweisungen und Tipps höre ich nach wie vor, und ehrlich gesagt, brauche ich die auch weiterhin ;-)
Was mir heute mehrmals durch den Kopf ging ist die Aussage, dass nach dem Tod nur die Liebe bleibt. Ich hab das bisher auf ein Leben nach dem Tod bezogen, also dass der Verstorbene nichts außer die Liebe mitnimmt. Aber ich denke jetzt anders darüber, denn auch für mich bleibt sie. Neben all den Problemen, Zankereien und Sorgen, die es in jeder Ehe (angeblich) gibt, bleibt nur die schöne Erinnerung an unsere Verbundenheit und gegenseitige Liebe. Angeblich ist es normal, sich zu fragen, ob man nicht manchmal netter, zuvorkommender, geduldiger und liebevoller hätte sein können. Ja, ich wünschte aus jetztiger Sicht, ich wäre all das gewesen, aber ich tröste mich dann mit dem Gedanken, dass er sich meiner Gefühle zu ihm bewusst war. Er war sich meiner Liebe sicher, auch wenn ich es häufig nicht so zeigen konnte, und umgekehrt war es genauso. Die Liebe ist geblieben.
Kurze Pause, um den Damm hochzugehen
Links der eindrucksvolle Dubrava Stausee: https://goo.gl/maps/n5d7qmUhErzHxRe3A
Ich und Selfies....aber mit Günther an der Hand geht sogar das ;-)
9. August 2023
Tag 2 - Belgrad
Strecke: 478 km
von Koprivnica nach Belgrad
von Koprivnica nach Belgrad
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-NF9nLGAfTp
Kroatien: Koprivnica - Novigrad Podravski - Virovitica - Naturpark Papuk: Novo Zvecevo - Biskupci - Slatinski Denovac - Cacinci - Osijek - Vinkovci - Tovarnik
Serbien: Sid - Erdevik - Spomen-obeležje Rohalj baze (Gedenkpark) - Nationalpark Fruška Gora - Čortanovci - Inđija - Belgrad
Heute bin ich schon zeitig um etwa 7:15 aufgebrochen, weil ich schon sehr früh wach war und bei der Unterkunft kein Frhstück hatte. Die Idee war nicht schlecht, weil die Luft noch herrlich und angenehm kühl war, und das Licht echt schön, Die Strecke war sehr abwechslungsreich, von langen Geraden bis Scotterpisten war alles dabei. Die beiden Abstecher waren aber die beste Entscheidung, wenn auch teilweise Kopfsteinpflaster, Schotter, oder einfach nur schmale und schlechte Straßen. Beide Nationalparks waren traumhaft schön, wobei mir der serbische Nationalpark Fruška Gora besonders gut gefallen hat. Ich bin weite Strecken auf dem "Bergkamm" gefahren, und hier kamen mir sogar ab und zu mal andere Biker unter. Die landschaftlichen Eindrücke waren fantastisch, unendliche Weiten, zumindest erscheint es einem so. Leider ist es nicht möglich, diese Eindrücke auf Fotos auch nur annähernd abzubilden, wenn ich die Videos durchgehe und hochlade, kann man es vielleicht erahnen ;-)
2 Monate sind schon vergangen...
Ich bin heute für meine Verhältnisse schon sehr früh wach geworden, aber eigentlich ist das langsam schon (m)eine neue Normaltät. Früher hätte mich im Urlaub nicht so schnell was vor 7 aus dem Bett gebracht, aber da bei der Unterkunft kein Frühstück dabei war, bin ich einfach losgefahren um mir einen Kaffee zu organisieren. Morgens war ich echt guter Dinge, hatte Energie und freute mich, dass ich mich Günther nahe fühlen konnte ohne ständig weinen zu müssen. Beim ersten Tankstopp heute passierte mir dann das befürchtete Hoppala...sehr ärgerlich, weil ein Klassiker und sehr oft schon darüber gesprochen. Beim Zurückschieben von einer Tanksäule habe ich meine Breite unterschätzt, ein Auto gestreift, und schon lag ich da...Wie gesagt, ein Klassiker, aber fast noch blöder war, dass ich natürlich gleich mal versuchen musste, das Bike alleine aufzustellen, obwohl schon ein freundliche Helfer zu mir kam. Nachdem ich mir das Kreuz "verrissen" habe, nahm ich die angebotene Hilfe dann doch dankend an, und zu zweitt konnten wir Nelly wieder aufstellen. Ich bin soo froh, dass ich diese Sturzpads habe, ohne die würde das jetzt nicht besonders gut aussehen. Ich konnte das Hoppala auch schnell abschütteln, hab es auf meiner Liste der nicht erledigten Dinge abgehakt, und gar nicht so arg mit mir selbst geschimpft ;-)
Nachmittags stiegen die Temperaturen allmählich an, da wäre es Günther gerade recht geworden, während ich geschwitzt habe. Am späteren Nachmittag, die letzten 50-100 km vor Belgrad wurde ich dann doch sehr müde, und zu allem Verdruss, hab ich unabsichtlich Maps beendet, und konnte die Route mangels Internet nicht neu starten. In Serbien scheinen sie nicht so großzügig mit gratis WLAN zu sein, wie man das von anderen Ländern kennt. Letztendlich habe ich es dennoch geschafft, gut und heil, bis auf die Rückenschmerzen, in der gebuchten Unterkunft anzukommen. Nach einer herrlichen Dusche bin ich dann noch ein wenig herumspaziert, aber nicht sehr lang, war ja doch ein langer Tag, und außerdem wollte ich noch davon erzählen und Bilder teilen.
nein, bin nicht umgestiegen 😉
auch hier dürfte es kürzlich ziemlich gestürmt haben
Wahnsinns Aussicht, einfach nur schön
in Belgrad gehen die Zebrastreigen auch quer über die Kreuzung 😅
10. August 2023
Tag 3 - der Donau entlang nach Rumänien
Strecke: 327 km
von Belgrad nach Târgu Jiu, Rumänien
von Belgrad nach Târgu Jiu, Rumänien
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-oNH23iQBRJ
Serbien: Belgrad - Požarevac - Golubac - Donji Milanovac - Tekija
Rumänien: Motru- Târgu Jiu
Etwa gegen 8:15 bin ich heute in Belgrad aufgerochen, für den etwas entspannteren Tagesplan war das früh genug. Meine Tour führte mich nach Osten zur Donau, der ich dann über 120 km gefolgt bin. Es war ein Traum von einem Anblick und eine sagenhafte Strecke. Abschnittsweise hat sie mich an die kroatische Küstenstraße erinnert, nur mit weniger Verkehr. Bei Tekija dann über die Donau und in Rumänien eingereist. Die Straßen sind ab und zu etwas holprig, aber dennoch sehr schön zu fahren. Nach Motru wurde es wieder etwas kurviger, wobei aufgrund der Regenfälle da und dort Sand in den Kurven lag. Diese Strecke heute war wirklich ein Genuss, und besonders der Abschnitt an der Donau sehr empfehlenswert.
Wechselhaft
Die Nacht war ein Graus, und so bin ich bei nicht besonders guter Laune aufgebrochen. Ich habe mich aber sehr bemüht, das auszublenden und habe mich insbesondere auf die Donau gefreut. Meine Erwartungen wurden übertroffen, es war ein herrliches, gemütliches und langes Cruisen in wunderbarer Landschaft. Das Wetter war so wechselhaft wie meine Gefühle, und so hab ich heute mehr Pausen als die letzten Tage eingelegt. Bei einer wetterbedingten Kaffeepause habe ich einen netten Biker kennengelernt, der mit einer BMW BJ 1955 unterwegs war, Ein tolles Stück Technik, aber leider in die andere Richtung unterwegs. Da fallen mir noch die beiden Motorräder kurz nach der Abfahrt, nach dem ersten Tankstopp ein. Normalerweise bin ich diejenige, die sich gern mal wo für eine Weile anhängt, aber diesmal war es umgekehrt, und das fand ich irgendwie witzig. Irgendwann sind sie dann doch abgebogen, aber scheinbar hat es ihnen irgendwie Spaß gemacht, weil beide zum Abschied gehupt haben, obwohl wir nur zufällig gleichzeitig an der Tankstelle fertig waren. Leider weiß ich nicht mal, von wo sie waren, hätte mich interessiert, weil ich ja fast nicht neugierig bin.
Der Grenzübertritt von Serbien nach Rumänien hatte schon was, war auch schon ein eigenartiges Gefühl, so lang der Donau entlang zu fahren und zu wissen, dass am anderen Ufer ein anders Land ist mit anderen Menschen, Regeln und Gesetzen. Bei der Einreise traf ich auf einen Beamten mit Deutschkenntnissen, der sich sehr nett und höflich nach meinem Bike erkundigt hat und meiner Herkunft. Bei so einem netten Empfang und ersten Eindruck fühlt man sich gleich wieder etwas wohler, und mit diesem guten Gefühl ging es gleich mal auf eine Passhöhe mit sage und schreibe 277 m. Der höchste Punkt auf der heutigen Tour lag bei 405 m, das war dann kurz nach Motru.
Der Biker aus dem Kaffee hat mich zur Vorsicht aufgerufen wegen der rümänischen Fahrweise, und gleich nach der Grenze konnte ich erahnen, was er meinte. Also in den Ortschaften muss man immer mit allem rechnen, die fahren kreuz und quer, bleiben einfach stehen, fahren raus, überholen in dem Glauben, dass du schon Platz machen wirst usw. Aber finde ich irgendwie witzig, und ich habe den Eindruck, dass die Leute hier trotzdem fokussierter fahren, zumindest habe ich deutlich weniger Handys am Steuer gesehen als bei uns, wo es schon Normalität zu sein scheint.
Etwa 25 km vor meinem Ziel wurde das Wetter immer bedrohlicher, die schwarzen Wolken und Regenschwaden hingen über den Straßen vor mir. Ich suchte nach einem Platz zum Unterstellen, um nicht jetzt noch durchnässt zu werden. Nichts in Sicht, da fiel mir eine Kapelle ins Auge, zu der eine Schotterstraße führte. Gleich daneben ein Unterstand, wie ein riesiges Carport, in dem ich gleich mal parkte. Ein Ort, der sich mit Worten eigentlich nicht beschreiben lässt, eine kleine Kirche und rundherum ein scheinbar uralter Friedhof, und eine angehm friedliche Atmosphäre. Die Kirche war leider verschlossen, ich wäre (zur Abwechslung mal) ein klein wenig neugierig gewesen, aber so bin ich einfach rundherum, und hab mich dann auf eine der Bänke gesetzt und diese Energie und Ruhe aufgenommen so gut ich konnte. Das Unwetter hat mich nur gestreift, ein paar wenige Tropfen und raltiv starker Wind, und so bin ich etwa 45 Minuten später wieder aufgebrochen. Erst dachte ich noch, hätte ich mir sparen können, gab kein Unwetter, aber fast im selben Moment war die Straße schon nass und überall die Pfützen zu sehen. Es dürfte hier echt heftig geregnet haben, und ich möchte fast glauben, dass mir da jemand beschützend die richtige Eingebung geschickt hat.
Gegen 17:00 war ich dann in der Unterkunft, wobei ich erstmal einen riesen Schock bekam, als ich das Haus von außen sah. Auch das Stiegenhaus war schlimmer, als alles was ich in Ö je gesehen habe. Aber man soll sich von Äußerlichkeiten ja nicht täuschen lassen, und als ich die Wohnung selbst sah, war ich richtig erleichtert. Die Gastgeberin hat gerade noch aufgeräumt und alles fertig gemacht, weil ich früher da war, als angekündigt, und zudem war sie extrem nett und freundlich. Nachdem ich mein Gepäck geholt hatte, habe ich mir erstmal ein Bad zur Entspannung gegönnt. Obwohl ich danach total müde war, habe ich mich aber doch noch für einen längeren Spaziergang aufraffen können, und durch die Geocaching-App einen schönen Park entdeckt. Auch hier war eine sehr angenehme Stimmung und das Licht am Abend nach dem Regen fast mystisch.. Was mir in allen Gassen und an allen Plätzen aufgefallen ist, sind die vielen Menschen, die sich treffen und plaudern, überall spielende Kinder, die auch noch laut sein dürfen und auch wirlich sind, überall Schmutz und scheinbar Armut, und dennoch so viel Leben. Unweigerlich muss ich an Günther denken und seinen Krebs, der so viel Dreck in seinem Körper gebracht hat, mit all den Metastasen und Tumoren. Dennoch hatte er bis zum bitteren Ende so bemerkenswert viel Leben in sich, und manchmal wünschte ich, er könnte mir etwas davon zusenden.
kurze Fotopause
fast wie daheim, nur ein klein wenig breiter 😉
Straße mit Kreisverkehr in Târgu Jiu
Säule der Unendlichkeit
fast wie daheim, nur ein klein wenig breiter 😉
kleine Kirche mit Friedhof
Kirche, leider verschlossen
Garage nur für mich
der erste Eindruck...
hat gsd getäuscht 😅
11. August 2023
Tag 4 - Transalpina
Strecke: 411,6 km
von Târgu Jiu nach Milcoiu
von Târgu Jiu nach Milcoiu
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/2023-08-11-tag-4-korrekt-r-h5i0XnzVXp
Rumänien: Târgu Jiu - Bumbești-Jiu - Petroșani -Hațeg - Simeria - Petrești - Transalpina DN67C - Novaci - Râmnicu Vâlcea - Milcoiu
Das Höhenprofil bewegt sich zwischen 241 und 2183 Höhenmeter, dazwischen gibt es nur Kurven, Kurvn und noch mal Kurven, umgeben von traumhafter Landschaft. Gestartet bin ich natürlich in Târgu Jiu, dann erstmal bis Bumbești-Jiu. Von dort weiter die Route 66 durch den Defileul Jiului National Park, wo es einfach nur unbeschreiblich schön, aber auch sehr kühl ist, weil man in einem tal immer dem Fluss Jiu entlang fährt. Von Petroșani weiter nach Hațeg und Simeria, wo es dann nicht ganz so spektakulär ist. Bis nach Petrești geht dann eine flotte Verbindung, von dort dann die Route DN 67C - die Transalpina mit einer Gesamtlänge von 148,2 km , und die muss man einfach gefahren sein, weil sie einfach nur traumhaft schön ist, die Straßen gut und die Ausblicke sagenhaft!
Von Novaci, wo es gleich mal um geschätzt 20°C mehr hatte. dann dirket in die Unterkuft, die ich noch gestern gebucht habe. Auch diese Strecke war schön zu fahren, wenn auch abschnittsweise wieder etwas holprig und leider um 17:00 sehr stark befahren.
Wikipedia: "Die Transalpina DN 67C ist eine Nationalstraße im Parâng-Gebirge in den Südkarpaten. Es ist die höchste Straße Rumäniens und hat den höchsten Punkt in Pasul Urdele (2.145 m). Die Straße verbindet die Städte Novaci im Kreis Gorj und Sebeș im Kreis Alba . Da es sich um eine Bergstraße handelt, ist sie im Winter gesperrt .
Die Transalpina durchquert vier Landkreise – Gorj, Vâlcea, Sibiu, Alba – und durchquert das Parâng-Gebirge von Süden nach Norden, mit der höchsten Höhe auf einem Abschnitt von etwa 20 km, in den Landkreisen Gorj und Vâlcea, wo sie sich als „ Kammstraße“ [2] , die in geringer Entfernung an den Gipfeln Dengheru (2.084 m), Păpușa (2.136 m), Urdele (2.228 m), Iezer (2.157 m) und Muntinu (2.062 m) vorbeiführt."
Ein weiterer Freitag
Der 10. Freitag ist es nun, und der erste Freitag, an dem ich nicht schon beim Wachwerden völlig niedergeschlagen bin. Ein Zeichen des Vergessens, oder eines der Besserung? - Ich entscheide mich für Letzteres, denn bei aller Angst, so muss es ja doch irgendwie weitergehen, uns so fahre ich einfach die geplante Tour für uns beide.
Auf der Route 66 war es wirklich traumhaft schön, und ich denke an Günther, der es wahrscheinlich gar nicht so recht hätte genießen können, weil er wohl fast erfroren wäre, und ehrlich gesagt, es war mir selbst zeitweise ganz schön kalt. Es gab zwar keine großen Höhenunterschiede, aber in diesem Talkessel mit dem Fluss war es wirklich frisch, aber die Luft ebenso erfrischend wie auch die schöne Landschaft. Die Straßen waren gut, und ich habe versucht auf Günthers Ansagen und Tipps zu hören, von Kurve zu Kurve, und es wurde immer besser und ich immer lockerer. Aus dem Tal erstmal draußen, war es mir schnell wieder zu warm, also schnell die Verbingungsstraße zur Transalpina, wo es dann richtig zur Sache ging. Hier trifft man an - oh Wunder - dann auf viele weitere Motorradfahrer aus den verschiedensten Ländern. Diese Strecke macht einfach nur Spaß, und ich bin froh darüber, diese für diesen heutigen 10. Freitag ausgewählt zu haben, weil ich mich in diesem Kurventraum sehr mit Günther verbunden fühle. Klingt vielleicht blöd, aber dadurch ist das Vermissen und der Schmerz nicht mehr ganz so schlimm, zumindest weit nicht so wie daheim, weil ich glaube, dass er seine Freude hätte.
Am Oașa-Staudamm hab ich dann einen Schlüsselanhänger für Sebastian (mein Sohn, der sammelt die aus verschiedenen Ländern) gekauft und den besten Langos evern gegessen! Gut, ich war noch nie in Rumänien und hab deshalb keinen Vergleich, aber dieser Langos mit Kraut war echt super lecker, hat mich ein wenig an die sauren Krapfen in Salzburg erinnert. Bei einem Besuch eines Weihnachtsmarktes auf der Festung Hohenwerfen habe ich einen Solchen das erste Mal gegessen, wie ein Bauernkrapfen, nur eben mit Sauerkraut statt Marmelade. Dieser Langos war irgendwie ähnlich, nur im Teig waren noch Kräuter, und die Form flach, aber Germteig gebacken und echt lecker. Günther hätte das ganz genau erkannt und genannt, aber ich hätte es mir sowieso nicht gemerkt und auch daheim nicht mal versucht nachzumachen.
In der Unterkunft fühle ich mich recht wohl, hier ist eine Gastro mit Gastgarten dabei, und es gibt leckeres rumänisches Bier 😅. Die haben extra für mich ein Gericht zusammengestellt, weil sie nichts Vegetarisches auf der Karte hatten. Polenta und Schwammerlsauce und gemischten Salat dazu, aufessen konnte ich das beim besten Willen nicht, obwohl es echt richtig lecker war. Hier lässt es sich auch ganz gut sitzen und nebenbei diesen Bericht schreiben, weil mein liebster Gesprächspartner dann auch nichts ganz so schlimm fehlt. Aber ich würde mich natürlich schon viel lieber mit ihm unterhalten, als hier allein mit meinem Chromebook, das ich von ihm bekommen habe, zu sitzen.
Für Morgen ist alles geplant und gebucht, muss nur packen, aufsitzen und fahren, die Transfăgărăşan ist geplant, die ja ebenso, wenn nicht noch schöner als die Transalpina sein soll. Übernachten werde ich dann in Bukarest, um von dort weiter ans schwarze Meer zu fahren. Dort angekommen werde ich vermutlich einen Tag Sitzfleisch schonen und baden und relaxen.
Günther, du hättest deine Freude, und ich freue mich genau deshalb für dich mit, weil du immer und überall bei mir bist - ich vermisse dich!! 🖤❤️🖤
Nelly neben der Route 66
herrliche Aussichten
am Oașa-Staudamm:
https://goo.gl/maps/hkY2dhYoLUy39sfH7
Transalpina DN 67C:
https://goo.gl/maps/VHUQmVGm5w7vbvZ78
Transalpina DN 67C:
https://goo.gl/maps/VHUQmVGm5w7vbvZ
Transalpina DN 67C:
https://goo.gl/maps/VHUQmVGm5w7vbvZ
12. August 2023
Tag 5 - Transfăgărășan
Strecke: 432 km
von Milcoiu nach Bukarest
von Milcoiu nach Bukarest
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-ulOgJVl5jb
Rumänien: Milcoiu - Curtea de Argeș - Transfăgărășan - Cârțișoara - Șercaia - Șinca Nouă - Tohanu Nou - Podu Dâmboviței - Târgoviște - Bukarest
Kurven, Höhenmeter, Kurven.... und das beinahe den ganzen Tag!
Das Highlight war natürlich die Transfăgărășan mit 151 km Kurven und unbeschreiblichen Landschaften! Kalt war es natürlich schon, aber damit hatte ich gerechnet und war entsprechend angezogen. Bei meiner Recherche hab ich erfahren, dass man die Straße eher wochentags fahren sollte, weil es am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel ist, und das kann ich nur bestätigen. Der Verkehr war wirklich enorm, besonders bei den touristischen Attraktionen. Diese habe ich versucht schnell zu durchfahren und hab an den bekanntesten Plätzen deswegen keinen Halt eingelegt. Der höchste Punkt war heute 2086 m, also etwas weniger als gestern bei der Transalpina, aber die Höhenmeter sind dennoch beachtlich, so habe ich heute 4189m hinauf, und 4407m wieder hinunter gemacht.
Nach der Transfăgărășan bin ich eine flotte Verbindung bis nach Schirkanyen gefahren, um dann auf die kurvige DN73A einzubiegen. Der bin ich gefolgt, bis ich bei Tohanu Nou auf die ebenfalls kurvenreiche DN73 wechselte. Diese Straßen waren zwar nicht so gut ausgebaut und manchmal ziemlich holprig, aber Spaß hat es dennoch gemacht. Ab Târgoviște wurde es dann gerade, und zwar richtig gerade, aber da das Verkehraufkommen groß ist, steuert man eben mit Überholen gegen die Langeweile und macht auch ordentlich Meter dabei. Bukarest ist toll, soweit ich das beurteilen kann, ich hab mein Zimmer mitten in der Stadt, bin aber gut durch gekommen. Viel Verkehr gegen 18:00, aber dennoch gutes Weiterkommen.
Wikipedia: "Die Transfăgărășanul (offizielle Nummer DN7C ) ist eine Verkehrsstraße in Rumänien , die in der Gemeinde Bascov , Kreis Argeș in der Nähe der Stadt Pitesti , in Richtung der Stadt Curtea de Argeș beginnt und an der Kreuzung mit der Straße DN1 endet zwischen Sibiu und Brașov . In der Nähe der Gemeinde Cârtișoara , mit einer Länge von 151 km , das Făgăraș-Gebirge auf der Nord-Süd-Achse durchquerend. Der Teil vom Vidraru-Staudammnach Cârțișoara durchquert ein bergiges Gelände in großer Höhe und wurde zwischen 1970 und 1974 auf einer Länge von etwa 91 km gebaut.
Bis zum Bau des Staudamms und Stausees Vidraru im Jahr 1965, entlang dem die DN7C fast 20 km lang verläuft, gab es eine unbefestigte Straße und eine unbefestigte Straße, die die Gemeinde Căpățâneni mit dem alten Dorf Cumpăna (heute von Wasser bedeckt, in dessen Nähe) verband die aktuelle Cumpăna-Hütte wurde gebaut)."
Günther immer mit dabei
Günther, auch heute hättest du deine Freude, und ich hab mich dir heute extrem nahe gefühlt. Wahrscheinlich liegt es an der vielen Hilfe, die ich nachwievor brauche und schätze.
"Locker lassen", das war nicht nur ein Spiel mit den Jungs, sondern auch ein wenig sein Lebensmotte. Er war so locker auf dem Motorrad, ich wünschte, ich hätte auch viel mehr von dieser Lockerheit. Aber heute habe ich genau wegen unserer Verbindung und dem Bewusstmachen sehr viel dazu gelernt. Die teilweise doch sehr holprigen Straßen lassen auch nichts Anderes zu. Was wäre ich früher an solchen Straßenverhältnissen verzweiflet, aber mit lockerem Sitz und halbwegs entspannten Händen, geht es wirklich gleich so viel leichter! Warum musste Günther erst sterben, bevor ich das wirklich nachfühlen und etwas besser umsetzen konnte....
Besonders die erste Etappe heute war sehr lehrreich, ich habe mich auf Blicktechnik konzentriert, und eben genau dieses nicht-so-verkrampft-sein. Siehe da, geht gleich etwas lässiger, aber natürlich ist da die neue Hornet auch sehr entgegenkommend. Etwas frustrierend war dann, dass ich heute gleich ein 2. Mal umgefallen bin, und wieder aus reiner Dummheit. Stand im Stau inmitten der Tagestouristen, und weil mein Akku am Handy fast leer war, wollte ich um das Ladekabel hinter mir greifen. Sicherheitshalber, damit ich eben nicht umfalle, hab ich den Gang raus und den Seitenständer runter gegeben. Weil ich das Kabel aber nicht erwischen konnte, bin ich von der Bremse runter um mich weiter umdrehen zu können. Blöderweise stand ich bergab.....das Motorrad rollte ein klein wenig nach vor, gerade genug, um den Seitenständer zu "deaktivieren", und weil ich natürlich blöd stand und saß, konnte ich den Umfaller nicht verhindern. Aber wenigstens hab ich keine Autos berührt, und es waren 3 Helfer zur Stelle noch bevor ich wieder auf den Beinen war. So eine Reise bringt schon ein paar Peinlichkeiten mit sich, aber ich habe versucht, mich auf Günther zu besinnen. Er hätte das einfach abgeschüttelt, weil es einfach passiert ist und auch passieren kann und er wäre ohne Weiteres und ohne weitere Grübeleien locker-lässig weitergefahen. Ganz so einfach ist das bei mir natürlich nicht, weil ich muss schon mit mir selbst schimpfen und mich verkrampfen und böse auf meine Blödheit sein. Aber wie gesagt, ich habe es versucht, und nach einer Weile wurde es besser, jedenfalls schneller als vor wenigen Monaten noch. Günther lehrt mich also immer noch, und das wird er wohl auch noch eine Weile so machen, zumindest hoffe und wünsche ich mir das.
Witzig fand ich den Wildwechsel auf rümänisch....bei uns rechnet man da und dort mit Rehen, vielleicht auch mal mit Kühen, hier laufen dir Bären über den Weg, im wahrsten Sinn des Wortes. Touristen füttern die, und das scheinen sie zu wissen, so sitzen sie da und dort neben der Straße, oder laufen einfach mal locker vor dir drüber. Ich weiß nicht warum, aber Angst hatte ich dennoch keine, obwohl ich wahrscheinlich welche hätte haben sollen.
Der restliche Tag war auch sehr kurvenreich, ich bin viele kleinere Straßen gefahren und hab auch die Landschaft genosssen. Von den Bergen in die unendlichen Weiten, zumindest machte es den Eindruck. Fotos hab ich heute nur wenige gemacht aufgrund der vielen Touristen, und der wenigen freien Parkplätze. So kam ich kurz vor 19:00 mitten in Bukarest an, wobei mir das Fahren in der Stadt schon auch irgendwie gefällt, aber nur mit dem Motorrad. Mit dem Auto wäre das hier echt unvorstellbar für mich.
Jetzt, wo ich das schreibe, sitze ich im "BigBenPub", wo ich nach einer Dusche zu Abend gegessen habe und das zweite rumänische Bier trinke. Die Stimmung hier ist toll, alte italienische Musik, eine Menge Menschen, angenehme Temperatur - kurz gesagt: Lebendigkeit 🥰
Bevor ich hierher kam, muss ich noch von einer Unterhaltung erzählen, die ich ebenfalls total genossen habe. Nach der Dusche bin ich beim Hotel raus, und traf auf einen Biker, der sein Bike vorm Hotel abgestellt hatte. Das Bike voller Dreck, der Beitzer ein Schweizer, der sich mit einem französischen Radfahrer unterhält. Wir beginnen zu plaudern, bin ich doch soo froh darüber, dass es ein deutlich schmutzigeres Bike als meine Nelly gibt, die sieht daneben nämlich pipifein aus!! Wir unterhalten uns auf Englisch, ich bin froh, alles gut verstehen zu können. Mit dem Reden habe ich immer noch meine Probleme, aber ich habe den Eindruck, dass auch das besser wird. Jedenfalls kommt dann auch noch ein deutscher Radfahrer hinzu, der als Pensionist mit dem Rad ganz Europa bereist. Wahnsinn und Hut ab kann ich da nur sagen. Da stehen wir nun, ein Deutscher, ein Franzose, ein Schweizer und eine Österreicherin und reden über unsere Reisen, und was unsere nächsten Ziele sind. Nachdem der Franzose und er Schweizer weg sind, erzählt der Deutsche noch ein wenig auf Englsich weiter, ich unterbreche ihn nicht, er bemerkt aber dann irgendwann selbst, dass er nun auch Deutsch weiterreden kann. Einfach nur geil - ein besseres Wort fällt mir dazu leider nicht ein 😉
Hier ist es durch die Stunde Zeitverschiebung mittlerweile 22:45, und weil ich Sorge habe, nicht mehr ins Hotel zu kommen, und auch nicht mehr wirklich viel zu erzählen habe, mache ich hier Schluss und gehe zuzück ins Hotel. Dort muss ich mich dann eh noch um ein Zimmer für morgen am schwarzen Meer organisieren und die Route planen.
Danke Günther, dass du mir auf dieser Reise so nahe und immer und überall bei mir bist!! Ich lieben dich! ❤️🖤
Ausblick vom Balkon
Transfăgărășan
https://goo.gl/maps/cYwDujqct6j6XJ8o8
DN73 vor Podu Dâmboviței
https://goo.gl/maps/gGRaAwe78ssY7FtP9
Transfăgărășan mit Günther
https://goo.gl/maps/cYwDujqct6j6XJ8o8
Transfăgărășan
https://goo.gl/maps/cYwDujqct6j6XJ8o8
BigBenPub
https://goo.gl/maps/5VXDUDYXfeAoEoCU7
13. August 2023
Tag 6 - Rumänien und Republik Moldau
Strecke: 292 km
von Bukarest nach Slobozia Oancea
von Bukarest nach Slobozia Oancea
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-qOOlKlbro6
Rumänien: Bukarest - Brăila - Galati
Republik Moldau: Galati - Giurgiulești - Naturreservat Unterer Prut - Cahul
Rumänien: Oancea - Slobozia Oancea
Bevor es ans schwarze Meer geht, ein kurzer Abstecher nach Moldavien um ein kleines Souvenir zu besorgen. Der Grenzübergang dauerte sehr lang, das Geschenk hab ich nicht gleich bekommen. So dachte ich, ich fahr ein Stück gegen Norden, durch das Naturreservat Unterer Prut und dann immer der Prut entlang. Bei Vama Oancea wieder von Moldawien zurück nach Rumänien, auch hier dauert es eine gefühlte Ewigkeit um über die Grenze zu kommen.
14. August 2023
Tag 7 - Rumänien und Bulgarien
Strecke: 403 km
von Slobozia Oancea nach Trakata (Warna)
von Slobozia Oancea nach Trakata (Warna)
Link zu Calimoto: https://calimoto.com/calimotour/t-bep7IsTnPC
Rumänien: Slobozia Oancea - Galați - Brăila - Horia - Konstanza - Vama Veche
Bulgarien: Durankulak - Kawarna - Trakata (Warna)
Viele Kurven waren es auch heute nicht, aber dafür habe ich total imposante Landschaften gesehen, die ich mir so hätte nicht vorstellen können.
Gestartet bin ich sehr früh am Morgen von meinem Schlafplatz nahe der rumänisch-moldavischen Grenze. Über Galati wieder nach Brăila, und diesmal fahre ich aber wirklich über die Donaubrücke! Imposant, unglaublich, das Bauwerk selbst wie auch die Aussicht. Der Verkehr ist gar nicht schlimm, nur wenige Autos, darum erlaube ich mir am Pannenstreifen für wenige Fotos stehenzubleiben. Leider kann ich nur rechts sehen, stehend am Bike zeigt sich aber die noch fantastischere linke Seite, wo sich zeigt, wie sich die Donau ausbreitet. Ich bin sprachlos von so viel Schönheit, die sich mir heute schon den ganzen Tag zeigt. Nach der Donaubrücke in Brăila zeigen sich schier unendliche Weiten, wie ich sie noch nie gesehen habe. Die Landschaft ist braun in verschiedenen Tönen, Felder, abgeerntete Felder, Streppen, geackerte Flächen, alles dabei. Die ganze Gegend hat mich an eine Wüste erinnert, nur lebendiger, der heiße Wind und die Sonne, die ebenfalls runter brennt, tragen natürlich zu diesem Gefühl bei. Das Fahren macht trotz der wenigen Kurven richtig Spaß, langweilig wird es nicht, der Wind, die Landschaft, die rumänische Fahrweise....
Der Wind wird hier auch gut genutzt, es gibt richtig viele Windräder inmitten der eher wenig veränderten Landschaften.
Ich nahm den schnellsten Weg nach Konstanza, wo ich mir zumindest das alte Casino ansehen wollte. Parkplätze find ich hier nicht, und auf einen längeren Fußweg hatte ich keine Lust. Nach einer kleineren Pause und Buchung einer Unterkunft, bin ich entlang der Küste zur bulgarischen Grenze, und danach weiter dem Meer entlang bis kurz vor Warna. Erstaunlich finde ich, wie sich sofort nach der Grenze der veränderte Fahrstil zeigt, und hier sehe ich auch wieder Radarkontrollen, die ich in Rumänien hoffentlich nicht nur übersehen habe ;-)